Charles Ives: Klaviertrio und Cage, Music for Three

Bärtschi hatte ein Duo mit dem ganz jungen, in der Schweiz geborenen Cellisten Wen-Sinn Yang, später Solocellist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, heute Solist und Professor in München. Also lag nahe, das Trio in dieser Formation aufzuführen und aufzunehmen.. Besonderen Spaß hatten wir mit dem Mittelsatz des Trios, einem wahrhaft berserkerhaften Stück, scheinbar chaotisch, in Wahrheit perfekt durchkomponiert, noch heute wie ein Naturereignis. TSIAJ heißt der Satz: „This Scherzo is a Joke.“ Ives wusste recht gut, dass nicht alle Scherzi lustig sind, gerade darin liegt der scheinbar tautologische Witz; er passt zu seiner kritischen Haltung gegenüber Europas Kunstmusik.

Cage kam ganz natürlich hinzu. Dieses Werk erklingt jedes Mal anders, da jeder der Musiker bestimmte Elemente im Rahmen von Zeitfenstern zu absolvieren hat, die eine Stoppuhr anzeigt. So ist das Leben… Jeder ist in seinem Schicksal und seiner Eigenzeit gebunden, doch jeder kann mit den anderen auch Kontakt aufnehmen. Denn innerhalb dieser Zeitfenster gibt es  Spielräume und man kann entscheiden, wann und wie man die – teils sehr anspruchvollen – Figuren spielt, je nachdem, wie man sich fühlt und wie man mit dem, was den Partnern gerade widerfährt, in Korrespondenz treten möchte: Wie geht es ihnen, wo stehen sie, und wie stelle ich mich dazu? Trete ich in Opposition, Dialog, Bestätigung? Oder gehe ich allein meiner Wege? Jedesmal eine tiefe Erfahrung innerhalb der endlos scheinenden Leerräume, die man dabei durchquert. Wir haben die Aufnahme gemäß Cage’s Intention in einem einzigen und ersten Dreißigminuten-Take  in einem Studio des Bayerischen Rundfunks durchgespielt.

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