Ives. Die Violinsonaten und Largo für Violine und Klavier.
Mit Herbert Henck, KIavier.

Hencks Aufnahmen der ersten Klaviersonate von Ives und der legendären Concord-Sonate wurden über alles gerühmt. Ich hörte mir die Schallplatten an und mir war sofort klar, dass ich die Violinsonaten von Ives spielen wollte – natürlich mit Herbert Henck. Das war ein ziemlich vermessenes Unterfangen, denn Henck stand am Zenit seines Könnens und Renommées, nicht zufällig wünschten sich sowohl Pierre Boulez als auch Karlheinz Stockhausen zum sechzigsten Geburtstag die Gesamteinspielung ihres Klavierwerks durch ihn. Ständig erschienen von ihm Aufnahmen wichtiger Neuer Klaviermusik, von verdienten Lobeshymnen begleitet. Weiters betrieb Henck einen eigenen Verlag mit wichtigen Beiträgen prominenter Komponisten und Interpreten und teilte mir auf meine Anfrage freundlich mit, dass er grundsätzlich nur allein spiele, weder mit Kammermusikpartnern noch mit Orchestern.

So ist es tatsächlich geblieben – mit  Ausnahme unserer Aufführungen und Einspielung des Gesamtwerks von Ives für Violine und Klavier, und ich weiß bis heute nicht genau, was den Ausschlag zu dieser Ausnahme gab. Jedenfalls studierten wir die Werke exzessiv und begeistert gemeinsam, spielten sie in einigen Konzerten und nahmen sie schließlich für das kleine Label Edition Michael Frauenlob Bauer auf. Bauer war damals groß im Kommen, schien genau der Fanatiker und Perfektionist, den es für so ein Unternehmen brauchte, hatte tontechnisch unorthodoxe Ideen, die sich gut mit denen von Ives vertrugen, der wiederholt notierte: „Piano forte, violin pianissimo, non crescendo“ etc. Manchmal durfte die Geige überflutet werden, untergehen und kam dann unerwartet nach und nach wieder zum Vorschein. Generell rückte die Einspielung vom klassischen und meist technisch gestützten Violinklang ab und leitete auch dadurch in die gänzlich anders geartete Welt der Musik von Ives. Eine zuvor gemachte ORF-Einspielung der ersten Sonate sowie ein Mitschnitt der zweiten Sonate aus dem ORF-Funkhaus Salzburg, die in herkömmlich Weise aufgenommen wurden, zeigen den Unterschied, wenngleich ich sie ebenfalls schön finde. Für die Schallplattenproduktion  der ersten beiden Sonaten hatte ich den Komponisten und Jazzmusiker Werner Pirchner als Aufnahmeleiter gewonnen, der sowohl für Ives’ völlig unorthodoxe Musik als auch die unorthodoxe Mikrophoneinstellung ein hervorragender Partner war.

Das Doppelalbum fand große Wertschätzung bei Publikum und Presse (siehe Fenster). Eine CD wurde leider nie gemacht und es wurden die Angebote anderer Firmen, die Aufnahme zu übernehmen, abgelehnt. Meines Wissens sind die Aufnahmen daher nur fallweise als Vinyl-Raritäten zu bekommen, manchmal zu horrenden Preisen, von denen wir Musiker nichts haben…

Ich beklage mich nicht, zumal Henck, der mich mit Bauer bekannt machte, mit viel mehr Aufnahmen in derselben Situation steht, darunter mit Improvisationen, die absolut unwiederholbar sind. Aber ich habe noch immer Hoffnung, dass diese mir so wichtige Musik irgendwann neue Wege zu Hörern finden wird.

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