Alfred Schnittke: 3. Violinkonzert und Urbanner, Violinkonzert (Erstaufnahme)

Alfred Schnittke: 3. Violinkonzert und Urbanner, Violinkonzert (Erstaufnahme vor der Uraufführung)

Innsbrucker Kammerorchester/Erich Urbanner

Vielen Dank für Ihr wunderbares Spiel! Bitte seien Sie so lieb und richten meinen Dank auch Herrn Urbanner aus, den ich sehr hoch schätze als Komponist und Dirigent. Mit herzlichsten Grüßen Ihr Alfred Schnittke

Urbanner und ich hatten eine erschreckende Menge Druckfehler und Unklarheiten im Notenmaterial des Schnittke-Konzerts gefunden und waren gezwungen, auf eigene Faust Lösungen zu finden und Entscheidungen zu treffen. Auf abenteuerlichen Wegen mit Hilfe des jungen Hagen-Quartetts und Gidon Kremers, der den Eisernen Vorhang ungehindert überqueren konnte, wurde unsere Aufnahme dem abgeschotteten Komponisten in Moskau zugespielt. Auf dem gleichen Weg kam die Antwort zurück. Handschriftlich, Zeile für Zeile nach einem Schlaganfall mühsam zu Papier gebracht, teilte mir Schnittke mit, wir hätten überall richtig geraten. Und er fand berührende Worte über unsere Interpretation.

Ich habe das Werk später auch für den Bayerischen Rundfunk mit den Bamberger Symphonikern aufgenommen und dabei einige zusätzliche Wünsche Schnittkes umzusetzen versucht.

Urbanners Konzert ist mir gewidmet, Details finden sich im Booklet der Aufnahme mit dem RSO Wien. Ich habe das Werk öfters aufgenommen und noch öfter aufgeführt, u.a. mit der Staatskapelle Berlin, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Mozarteumorchester Salzburg, dem Orchester von Radio Luxemburg, meist unter Leitung des Komponisten. Dabei war interessant zu erleben, wie unterschiedlich die Orchesterkollegen mit dem Notentext und den darin enthaltenen improvisatorischen Herausforderungen umgingen. Auf CD ist derzeit die Aufnahme mit dem RSO Wien erhältlich, die neben der unschätzbaren Akustik des Großen Musikvereinssaales auch die vitale Interpretationskraft des Dirigenten Caridis dokumentiert.

Dieser schlug dem Komponisten vor, die teilgraphische Partitur zur Vereinfachung der Probenarbeit in herkömmliche Notation umzuschreiben. Urbanner nahm meine Umsetzung des Soloparts zum Ausgangspunkt und schrieb tatsächlich die ganze Partitur um, der Verlag stellte das gesamte Material neu her. „Ich konnte das Werk im Nachhinein in herkömmlicher Notation ausdrücken”, sagte der Komponist, „doch hätte ich es nie in ihr erfinden können.”

Sich mit beiden Notationen und ihrer Umsetzung zu befassen gibt viel Aufschluss über das Verhältnis von geschriebener und klingender Musik und die damit verbundenen spannenden Probleme.

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